• LEBENDIGsein • Es ist nur dieser eine Moment. Ein Moment und dann noch einmal zwei Sekunden, in denen ich sicher gehe, dass ich es mir nicht nur eingebildet habe. Der Moment, in dem mir eine Haarsträhne ins Gesicht rutscht, um zwei Uhr nachts, und sie deinen Geruch mit sich trägt.
Irgendwann vorhin, als du deine Arme um mich gelegt, mir über den Kopf gestrichen und einen Kuss aufs Haar gegeben hast, muss diese Strähne wie ein besseres Gedächtnis für mich funktioniert haben. Hat etwas von dir aufgenommen und hilft jetzt meinen Kopf dabei, alles zu behalten. Denn diese Augenblicke mit dir sind viel zu wertvoll, um sie zu vergessen. Wärmen viel zu gut, als dass ich je wieder auf sie verzichten möchte.
Wir kennen uns kaum. Ich weiß nichts von dir. Fange nur hin und wieder Bruchstücke auf, die du, beinahe unbemerkt, in den Raum wirfst, und bastle mir aus ihnen diesen Menschen zusammen, der sich hier so in mein Leben geschlichen hat. Da war diese Geschichte, die mich auf dem Weg in eine berauschte Nacht so wütend gemacht hat, dass mir das Salz in die Augen kroch. Da waren die Fotos, auf denen du ein bisschen glücklicher aussahst als jetzt. Da war die Musik auf deinem Computer, die ich gerade erst entdeckte und die dich an etwas erinnerte.
Da warst du und du und immer wieder du. In kleinen Sätzen und Bildern und Berührungen.
Wir kennen uns kaum und ich will das ändern. Auch wenn ich zu deinen Worten auf meine Fragen manchmal nur schweigen kann. Dann ziehst du an deiner Zigarette und weißt genau, dass ich nichts sagen kann, was dir etwas bringt. Du gibst so viel Trost und scheinst selbst immer etwas zu vermissen.
Jede Stunde mit dir, beginnt für mich mit Vorfreude. Und wenn du wieder nach Hause gehst, wenn ich zu meinen Zug rennen muss oder mich morgens aus deiner Wohnung stehle, leise, damit du nicht aufwachst, dann atme ich kurz durch, um mich nicht von Frau Melancholie überfallen zu lassen. Und dann riechen meine Haare ein bisschen nach dir und halten dich noch einen Augenblick fest.
Ich bleibe noch eine Weile, ja?
Filed under: freizügig | 6 Comments
Tags: Freundschaft, Gedanken, Gefühle, gute Sachen, Leben, Menschen


Name: Antje Lampe


Hach Antje, ich liebe deine emotionalen Texte über die Liebe und das drum herum! Zwar macht es das Singleleben nicht leichter aber treibt die Hoffnung auf der Suche nach der wahren Liebe voran ;))
Basti, das hör ich gern. Auch wenn es hier tatsächlich gar nicht um Liebe geht. Höchstens um Liebe ohne verliebt zu sein. Mir wächst nur jemand als Freund ans Herz. :)
umso schöner. ich kann genau nachfühlen wovon du sprichst, da es auch so jemanden in meinem leben gibt :-)
mir kullert sogar ein tränchen übers wängen. aber du weißt ja wie gerne ich dein texte lese!
Ja und ich finde auch in einer Freunschaft ist es Liebe. Zwar ist es eine andere Liebe wie in einer Beziehung aber nicht weniger stark.
Vor zwei Wochen hat mich meine beste Freundin aus Berlin hier in Stuttgart besucht, wir hatten so eine schöne Zeit zusammen. Und als sie am Ende wieder am Flughafen durch die Sicherheitskontrolle schritt, ging auch von mir ein Teil. Unweigerlich musste ich an diese Worte denken: „Niemals geht man so ganz, irgendetwas von dir bleibt hier. Es hat immer seinen Platz – immer bei mir“. Und trotzdem konnte ich ihr mit einem weinenden und einem lachenden Auge, Arm in Arm, nur noch einen guten Flug wünschen…
Ich find’s einfach grandios. Also ganz wirklich. Schöner Text und auch der Rest von dir gefällt mir. Du kannst mit Worten umgehen. :) Ich bin leider noch nicht so lange „im Geschäft“, aber ich werde dich einfach mal adden. :o)
Schon alleine, jahhaaa, weil du aus Spremberg kommst. Da werden Erinnerung bei Oma und Opa wach und die immer tollen Besuche am Senftenberger See. :)
Lieben Gruß, Marco.