Danke, Fremder!
• ALLTAGsein • Jemand, dem ich nie begegnet bin, hat mir etwas beigebracht. Hat ein Stückchen Weisheit mit mir geteilt. Hat etwas mit dickem Filzstift an eine Wand geschrieben und mich in einer kapstädter Winternacht entdecken lassen. Dass Fremde einfach nur Freunde sind, die man noch nicht getroffen hat, las ich da und fand mein Gefühl in seinen Worten wieder.
Ich hielt Augen und Herz offen, schlug keinen noch so absurden Vorschlag aus, ging mit unbekannten Reisenden äthiopisch und mit Fingern essen, trank riesige Biere mit Niederländern. Ich tanzte durch Bars und lernte Türsteher und Musiker kennen. Es gab Schokokuchen für mich, mitten in der Nacht, ich schlief in fremden Betten ein und frühstückte mit der nettesten Familie der Stadt. Ich traf Studenten im Supermarkt, umarmte wunderbare Menschen, mochte Küsse auf die Wangen. Besonders, wenn sich der zweite sehr nach „Geh doch noch nicht“ anfühlte. Ich wollte nicht gehen. Diese Tage, diese Nächte mit Fremden, die nach und nach wichtig wurden – ich wollte nicht, dass sie enden.
Fremde könnten Freunde werden. Seit ich das weiß, und zwar nicht nur im Kopf, sondern auch im Bauch, will ich noch mehr reisen, noch mehr sehen, noch mehr Menschen treffen. Seit ich das weiß, freue ich mich über all die fremden Menschen hier in meiner Heimat auf Zeit – und vermisse die, die ich lieb gewonnen habe. Seit ich das weiß, weiß ich auch, es wird von jetzt an wohl immer so sein.
Ich hielt „Für immer die Menschen“ für einen großartigen Satz zum Anstoßen.
Filed under: freithema | 6 Comments
Tags: Entdeckungen, Gedanken, Gefühle, Menschen, Reise, Unterwegs


Name: Antje Lampe


das weckt sehnsucht. sehr sehr schön <3
Das steht in meinem Fitnessstudio auch an der Wand. So ähnlich… Denen glaub ich das aber nicht!
Denen würd ich das auch nicht glauben. ^^
wow, das hat mich zu tränen gerührt, weil ich das so erlebt habe und gerade sehr unter fernweh leide.
„für immer die menschen!“
Ja es ist schon wahnsinn, wie viel man gewinnen kann, wenn man einfach offen gegenüber anderen Menschen durch das Leben geht. Ich habe gerade am Samstag so eine Erfahrung gemacht. Auf der Zugfahrt von Lüneburg nach Hamburg habe ich mich zu einem Mädchen gesetzt. Irgendwie sind wir ins Gespräch gekommen, haben uns die ganze Zugfahrt nett unterhalten. Auf einmal ruft ihre große Liebe an, für den sie gerade 9 stunden Zugfahrt auf sich genommen hatte und sagte ihr, er wolle sie nicht sehen. Sie solle doch bitte wieder umdrehen. Es war schon spät und sie sagte sie würde es nicht mehr nach hause schaffen. Ihm war es egal, auch wenn sie im Bahnhof schlafen müsse. Der Gedanke daran tat mir im Herzen weh, obwohl ich sie gerade mal eine halbe Stunde kannte. Sie wollte es dennoch versuchen und trotzdem zu ihm fahren. Beim Abschied gab ich ihr meine Nummer und sagte, bevor sie draußen schlafen muss, soll sie mich anrufen und zurück nach hamburg kommen. Ich habe ihr angeboten, bei mir zu übernachten, was mir etwas verrückt vorkam. eine Fremde…
Tatsächlich rief sie mich 2 Stunden später an und kam zurück nach hamburg. Sie war so dankbar, und ich war wirklich froh, dass sie nicht mehr zu so einem lieblosen Menschen gefahren ist.
Wir hatten noch einen tollen Abend und haben bis in die Nacht gequatscht.
Ich finde diese Situation sehr passend zu deiner Geschichte:
„Fremde sind einfach nur Freunde, die man nich nicht getroffen hat.“
Tatjana: Schöne Geschichte. :)