Ganz schön wählerisch
• WIRsein • Alle paar Meter lächelt er mit entgegen. Dieser junge Mann, der wohl jede sympathische Wirkung dem Kindchenschema zu verdanken hat. “Drei Stimmen für Benny” steht unter seinem Gesicht. Wenn ich die Plakate von der Rückseite aus betrachte, werde ich dazu aufgefordert “drei Stimmen für Micha”, Bennys Parteikollegen abzugeben. Der sieht leider nicht so freundlich aus, eher nach “Ich verarsche euch und ihr merkt es nicht! Muahahaha!”. Trotzdem sind wir schon bei den Vornamen. Es geht schließlich familiär zu im Kleinstadtwahlkampf.
Jeder kennt hier irgendwie jeden. Vor allem kennt man aber irgendwie jeden, der sich für die Kommunalwahlen aufstellen lässt. Häufige Sätze in den letzten Wochen: Guck mal, das ist der Anwalt meiner Mutter. Guck mal, die Frau, die so schielt, kauft immer in unserer Fleischerei ein. Guck mal, das ist mein Busfahrer.
Oder auch: “Habt ihr gesehen, dass mein Vater kandidiert?” Eine halbe Stunde und mehrere Beteuerungen, dass ich wirklich schon gegessen habe, später drückt mir der Kandidatenpapa einen Teller mit Bratwurst in die Hand. Widerstand zwecklos. Die Gesellschaft gäbe ihm kein Lächeln, sagt er. Tochter kichert peinlich berührt.
Müsste ich jetzt nicht eigentlich bei jedem Kandidaten einmal zuhause sitzen? Und Bratwurst essen? Um objektiv zu bleiben? Hm, der Plan hat – bei allem guten Willen – einige Haken.
Dass hier jeder jeden kennt, wirkt sich einer noch viel größeren Form auf den Wahlkampf aus: Alte Geschichten. Allein die Dinge, die ich über Benny Blatz gehört habe, (allen voran die tränenreiche Abschiedsparty und das anschließende Ups-ich-geh-ja-gar-nicht-in-die-USA) könnten ein ganzes Klatschmagazin füllen. Ich kenne inzwischen mehr Gerüchte als Wahlprogramme. Was möchte Herr Wieauchimmer denn durchsetzen? Keine Ahnung, aber der soll komisch sein.
Der Busfahrer kandidiert übrigens für die Partei “Brandschutz”. Von dem hab ich mal ein paar kluge Gedanken in der Zeitung gelesen. Allerdings war der für gewöhnlich ziemlich fies… Hat wahrscheinlich nicht daran gedacht, dass er die zukünftigen Wähler durch die Provinz fährt.
Morgen sind Kommunalwahlen in Brandenburg. Ich werde hingehen, trotz aller Geschichten. Für all diejenigen, die wählen dürfen, sind nur zwei Handlungen nicht zu vertreten: Nicht wählen gehen und die NPD ankreuzen. Dann lieber drei Stimmen für Benny.
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Tags: Brandenburg, Gesellschaft, Jugend, Kuriositäten, Spree-Neiße, Spremberg, Wahl


Name: Antje Lampe


…oder Micha. ;)
Für all diejenigen, die wählen dürfen, sind nur zwei Handlungen nicht zu vertreten: Nicht wählen gehen und die NPD ankreuzen.
oha, und Benny ist wahrscheinlich ein trendiger “Linker” aus der Kommunistenpartei, die ganz öffentlich mit sozialistischen Diktaturen Südamerikas sympathisiert, sich auf deutschem Boden mit Vertretern islamistischer Terrororganisationen an einen Tisch setzt, gegen den bösen “Kapitalismus aus dem Westen” hetzt und mit ihren kruden Ideen, wenn sie denn könnte, aus Deutschland eine DDR 2.0 machen würde…
…oder wie? ;)
Nö, Benny Blatz gehört der SPD an. Mir geht es zum einen darum, dass überhaupt gewählt wird und zum anderen, dass die NPD nicht in den Kreistag und die Gemeindevertretungen kommt.
Hier in der beschaulichen nordrheinwestfälischen Provinz wird man von Zeit zu Zeit von gruseligen Nachrichten heimgesucht. Da hört man, dass die Sozialisten im Osten der Republik regelmäßig auf 20-30 % bei den Wahlen kommen. Warum nur? Die sind doch keinen Deut besser als das braune Gesocks…
Und das mit Benny Blatz habe ich falsch verstanden. Nach kurzem Googlen musste ich gerade mit Erstaunen feststellen, dass es den Typen ja wirklich gibt^^
Dachte, Benny Blatz wäre ne kreative Abwandlung von “Max Mustermann” und stände für eine Person, die du nicht namentlich nennen möchtest…
Da drueben in der nordrheinwestfaelischen Provinz sollte man sich mal die Bedeutung der Linken im Osten klar machen. Die stehen kommunal ganz sicher nicht mit dem braunen Gesocks auf einer Ebene, was der Lafontaine von sich gibt, ist etwas anderes.
Schöner Post. Hab ihn zwar erst heut entdeckt, aber er hat mich trotzdem schmunzeln lassen. Das Wahlergebnis dürfte bekannt sein und die “Alte Geschichte” mit den USA, die kann ich Dir/Ihnen bei nem Kaffee gern mal genau erzählen *g*. LG