• WIRsein Als ich den Raum betrete, lächle ich. Nicht, weil mir danach ist, weil ich gerade besonders vergnügt bin. Ich versuche nur, mir selbst Mut zu machen. Der Arzt, der gleich meinen Blutdruck messen wird, verdreht die Augen. “Gott”, sagt er, “Ihnen seh ich ja schon aus 50 Metern Entfernung an, dass Sie Erstspender sind.”

Blutspender müssen zwischen 18 und 68 Jahre alt, gesund und mindestens 50 Kilo schwer sein. Ein kurzer Check ergibt: Ich habe keinen Grund, nicht zur Spende zu gehen. Ich könnte ein Leben retten, indem ich etwas von mir gebe, dass sich nach kurzer Zeit selbst ersetzt! Ich… habe Angst. Verdammt große Angst. Eine besonders ausgeprägte Angst vor Nadeln.

Die erste Nadel rammt mir ein junger Sanitäter in den rechten Zeigefinger. Hämoglobinwert bestimmen. “Tut nicht weh, oder?” – Ich sage “Nö, nicht wirklich…” und verkneife mir jegliche Anzeichen von Schmerz. Noch kann ich weglaufen, denke ich. Noch ist es nicht zu spät. Die Tür zum Treppenaufgang verwandelt sich in meinen Augen zum Fluchtweg.
Ich bleibe. Ich bekomme Apfelsaft und Tee und warte auf die nächste freie Nadel. Ich rede mir weiter ein, warum ich hier bin. “Wenn du mal im Krankenhaus liegst”, beschwöre ich mein vor Angst wahnsinnig werdendes Ich, “und du brauchst Blut, und dann kratzt du ab, weil alle zu feige zum Blutspenden waren! Das willst du ja wohl auch nicht.” Nein, das will ich nicht. Und deswegen stelle ich mich Angst und Schmerzen.
Eine halbe Stunde später finde ich mich auf einer Liege wieder. Pulloverärmel hoch, Arm desinfizieren und zack – habe ich spitzes Metall in der Vene. Die Krankenschwester drückt mir ein Gummiherz, mit dem ich besser pumpen können soll, in die Hand und verschwindet. Ich knete das Herz, ich starre die Wand an, ich versuche, bloß nicht auf meinen Arm und auf keinen Fall auf die gestapelten Blutkonserven zu gucken.
Ich spende einen halben Liter Blut.

Nach ein paar Tagen tut lediglich noch mein Zeigefinger weh. Anfängerfehler. Notiz an mich selbst: Beim nächsten Mal einen unwichtigeren Finger hinhalten.

Zum ersten Mal [1]: Wohnungswichtigkeiten kaufen



6 Responses to “Zum ersten Mal [2]: Blut spenden”  

  1. :D

    Werd demnächst auch mal zur Blutspende gehen – habe da ja schließlich einige Male mitgearbeitet ;) – Wird also Zeit, selbst mal Saft zu lassen

    Bis auf den Finger alles gut überstanden?

  2. Oh, ich muss auch mal wieder gehen. Aber hast du nicht einen Berg Süßigkeiten bekommen? Das hat mich nach dem ersten Mal extrem getröstet. Wobei ich eigentlich keine Angst hatte. Nach Meinung Außenstehender war ich sogar “geil” drauf…
    Leute, das ist ein kostenfreier Gesundheitscheck, der auch noch anderen hilft!

  3. Einen Berg Süßigkeiten? Na ja, Käsebrötchen, ne Banane, einen Apfel, einen Joghurt und ein Balisto gab’s. Hatte aber auch was.
    Freitag hab ich dann mein zweites Mal. Angst hab ich auch schon wieder. ;-)

  4. ich war 2 mal blutspenden.
    ich fands witztig.
    hab versucht den durchfluss rekord
    vom blut zu toppen.

  5. 5 Eugen

    Ah. Ich hab schon wegen dem Foto Angst. *ineckeverkriech*


  1. 1 Zum ersten Mal [3]: beim Schwarzfahren erwischt werden « gestrandet *

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