Herzexperimente

09Mai08

• LEBENDIGsein

You don’t have to be a scientist to do experiments with your own heart.
(Jeffrey Lewis)

Bis zu diesem Moment, in dem du mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht streichst und mit gefährlich-sanfter Stimme sprichst, habe ich immer gedacht, es wäre ein Satz für Idioten. Ein Satz für Arschlöcher, die sich selbst umwerfend finden und nicht auf andere Menschen achten. Und jetzt, als ich neben dir liege und deine Hand in meiner fühle, habe ich diesen Satz im Kopf. “Verlieb dich nicht in mich.”
Ein unglaublich bescheuerter Satz. Als ob man seine Gefühle lenken könnte. Eine Warnung, von der niemand etwas hat.
Außerdem ein Satz mit Zerstörungskraft. Ich will hier gerade doch gar nicht weg. Warum also die verdammten Worte sagen?
Weil es fair wäre. Ich will dich nicht verletzen. Nicht jetzt und nicht später. Will noch eine Weile bleiben. Bei dir sein.

Ich bin ein Gefühlschaot.

Wenn ich von dir rede und sie fragen, wer du bist, kann ich nicht antworten. “Ein Freund.” Aber das stimmt nicht. Du hättest ein Freund werden sollen und dann haben wir die Freundschaftsgrenze überschritten und etwas Undefinierbares daraus gemacht.
Du bist weniger als ein Freund. Du bist mehr als das.

Ich fürchte, du bist mein Herzexperiment. Ich freu mich auf dich, ich denke an dich, ich geh auf dich zu, ich halte dich schön auf Abstand.

Ich bin ein Gefühlsidiot.

Ich fühle deine Haut an meiner, spüre deine Wärme. Ich weiß, dass du lächelst, auch ohne dich anzusehen. Ich glaube, ich lächle auch.
“Das bleibt aber nicht so”, will ich sagen und schweige weiter. “Frag jetzt bitte nichts”, denke ich und erkläre dir gar nichts. “Verlieb dich nicht in mich”, denke ich. Und meine vielleicht nur “Hoffentlich verlieb ich mich nicht in dich.”



11 Responses to “Herzexperimente”  

  1. 1 look

    Vier Worte: Zu spät.

  2. Vier Worte? Welche?

  3. “Du hättest ein Freund werden sollen und dann haben wir die Freundschaftsgrenze überschritten und etwas Undefinierbares daraus gemacht.” Das geht nicht gut. Das ist gar nicht gut. Auf diesem Wege habe ich schon zweimal etwas in den Sand gesetzt. :(

  4. 4 looka

    Der Schritt zurück, Gefühle füreinander abstreichen, ist nicht möglich. Ich frage mich noch immer, ob es gut wäre, wenn man so rational handeln könnte.

    “Du bist mir so wichtig, dass ich zu große Angst habe dich zu verlieren, wenn die Beziehung zerbricht.”

    Das sagt der Kopf, doch das Herz hört nicht drauf.

    “Lass mich nie wieder los.”

    Das Herz bedenkt keine Konsequenzen, es sieht die Gefahren nicht und muss es auch nicht. Es fühlt. Dafür ist es da.

    Wenn man vom Sprungbrett gesprungen ist, kann man nicht mitten in der Luft stehen bleiben, weil man Angst hat, dass der Aufschlag weh tut, man untergeht. Man wird ins Wasser eintauchen. Manche verletzen sich dabei, weil sie in der Luft versucht haben zu stoppen. Andere tauchen, doch das Wasser ist kälter als erwartet. Sie beginnen zu schreien und ertrinken. Manche schwimmen panisch zum Ufer, werden mit all dem Wasser nicht fertig. Doch um wieder auf den Turm raufzukommen, um die Aussicht zu genießen, müssen sie sich anstrengen. Man kann es schaffen, aber ob das Wetter dort oben noch immer so herrlich ist, weiß man nicht. Noch dazu ist man nass und wenn dann auch nur eine kleine Brise weht wird man frieren. Sich unwohl fühlen.

    Wenige lassen sich einfach fallen, tauchen ein und genießen das angenehme Wasser. Ein unglaubliches Gefühl, wenn man sich davon tragen lässt.

  5. 5 gokui

    es gibt so wenige so schöne momente im leben – warum kann man sie nicht einfach nur genießen, sich fallen lassen.
    in deinen worten sehe ich/ spiegelt sich auch von mir erlebtes wieder. es war ein sehr schönes gefühl neben einem menschen aufzuwachen der einem was bedeutet, dem man eine nacht lang schutz und nähe gegeben hat, ganz ohne zwang und ziel.
    einfach aufwachen nähe spühren und eine hand nehmen.
    es gab nie ein ziel – leider.

  6. “Verliebt dich nicht in mich.” – Ganz recht: Kategorie Arschloch. Denn dahinter steckt nicht, wie man naiv verliebt vielleicht hofft, ein bisschen Rücksicht, ein bisschen Achtung. Dahinter steckt nichts als Egoismus. Dann muss man(n?) hinterher nämlich nicht die Scherben zusammen kehren: Hat dich ja schließlich gewahrnt.
    Ich glaube (nachdem ich diesen Satz auch oft genug gehört habe), dass wirlich nichts weiter dahinter steckt, als das. Wenn man jemanden nicht verletzen will, sagt man sowas nicht.

  7. Genau deshalb habe ich diesen Arschlochsatz auch nicht ausgesprochen.

  8. Gott sei Dank. Ich will hoffen, den hat auch niemand zu dir gesagt.

  9. 9 Lexy

    Sehr schöner Blogeintrag!

    Ich fnde gar nicht mal die Thematik so spannend bzw. vorrängig – sondern viel mehr den Schreibstil!
    Diese Analogien und Wortspiele find ich einfach klasse, da kann das Thema fast schon egal sein bei so einem Schreibstil!

    Weiter so! :)

    Lexy


  1. 1 fliegende drache « gokui signs
  2. 2 das ist so… « leichen der zeit

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