• FILMsein Ganz nebenbei, im Gras liegend und in die Luft starrend, zeigen die beiden Jungen, wie es in ihnen aussieht. „Vielleicht ist es so, dass jeder nur einmal im Leben richtig glücklich ist“, sagt der eine. „Ich glaube, am besten ist es, wenn man höchsten Punkt geht“, findet der andere.
In der Stille eines Samstagnachmittages legen sie die Richtlinien eines Suizidclubs fest.


Nur für die Liebe wollen sie leben, nur für die Liebe sterben. Sollten sie keine Liebe mehr empfinden, werden sie einen Schlussstrich ziehen – für sich und für diejenigen, die an ihrem Leiden Schuld tragen. Ohne jeden Pathos spricht Paul (Daniel Brühl) diese Worte aus und denkt an Hilde (Anna Maria Mühe), die jüngere Schwester seines Freundes. Günther (August Diehl), der zu diesem Zeitpunkt schon in einer ganz anderen Welt lebt, bekommt Hans (Thure Lindhardt) nicht aus dem Kopf. Der vergnügt sich in seiner Mittagspause inzwischen lieber mit Hilde. Und Hildes schüchterne Freundin Elli (Jana Pallaske) liebt Paul – wenn auch nur in Gedanken.
Ein Fest im Sommerhaus der Geschwister soll Ausgelassenheit bringen, vielleicht sogar den Höhepunkt, nach dem Paul und Günther sich so sehr sehnen. Stattdessen gibt ihnen der Absinth den großen Rausch und einen Amoklauf der Emotionen. Schmerzhafte Ehrlichkeit hier, einsame Resignation da, die Pistole versteckt im Sand. Günther nimmt sie wieder mit nach Hause und ist dem Moment, in dem er sie benutzen wird, näher, als er selbst weiß.

Warum sollte ich mir das ansehen? Der schönen Bilder wegen. Wie der Vorhang im Wind weht, wie am Morgen der Nebel über dem See liegt, wie die Protagonisten in ihrem ehemals strahlend weißen Klamotten im Zug sitzen und den Dreck der Nacht nicht loswerden können.

Wann sollte ich besser auf diesen Film verzichten? Wenn man froh ist, gerade einmal gut gelaunt zu sein. Und wenn man hinterher mit niemandem reden kann. Oder schweigen.

Welche ist die beste Szene? Als sich Paul kurz vor Ende des Films vom Fenster wegdreht, Günther ansieht und mit zitternder Stimme „Ich geh jetzt“ sagt. „Das ist es doch alles nicht wert. Ich geh nach Hause.“ Günther sitzt in einem Sessel an der Wand, hält die Pistole noch ganz locker in der Hand und sieht jetzt schon aus, als wäre er tot. Er lächelt ein bisschen, steht auf und erwidert: „Du bist doch längst nicht mehr da.“

Und was ist schlecht? Das Gedicht, das dem Film seinen Titel gegeben hat.

„Was nützt die Liebe in Gedanken?“, Deutschland 2004, Regie: Achim von Borries



4 Responses to “Was nützt die Liebe in Gedanken?”  

  1. Ich kann Daniel Brühl nicht leiden, der nimmt einfach jeder Szene den Tiefgang. Kann man den Film trotzdem kucken?

  2. Du kannst ja immer weiterschalten, wenn er auftaucht und dir nur die Günther-Geschichte angucken. ;)


  1. 1 Obwohl es August ist « gestrandet *
  2. 2 Schrobenhausen ist das Beelitz von München « Echtzeitmärchen

Leave a Reply