Versprochen?

08Okt07

• ALLTAGsein Versprechen sind tückisch. Sie ketten uns an etwas, das mal gut gemeint war, das irgendwem moralisch helfen sollte, weil schon die Zusage zum Streichen den stressgeplagten Freund beruhigt, oder an etwas, das uns eigentlich nur aus einer ungemütlichen Situation retten sollte. Wenn ich sage: „Du kannst immer vorbeikommen, auch wenn es mitten in der Nacht ist“, dann muss ich mich nicht wundern, wenn es irgendwann mal um vier an meiner Tür klingelt. Dann darf Tee gekocht, aber nicht gemault werden. Wenn ich großspurig erkläre: „Aber natürlich lerne ich mit dir für deine Lateinprüfung!“, dann muss ich mich am Ende auch damit herum schlagen. Und wenn ich es hasse Wände zu bemalen, dann verspreche ich einfach nicht, mitzumachen, sonst muss ich wohl oder übel einen Pinsel in die Hand nehmen.
Möglichst wenige Sätze mit dem Wort „versprochen“ zu besiegeln, könnte helfen die ernst gemeinten einzuhalten. „Wer hält, was er verspricht, wenn er nicht glaubt, was er sagt?“, fragt Marcus Wiebusch von Kettcar in „Im Taxi weinen“ und spricht damit meine Zweifel aus. Es gibt einen Unterschied zwischen „etwas versprechen“ und „sich versprechen“. Den findet man spätestens dann heraus, wenn man morgens das Telefon neben dem Bett liegen sieht und sich fragt, was es dort zu suchen hat. Liegt das schon lange da? Wollte ich irgendwas machen? Ach ja, der tolle gute Freund wollte gestern anrufen. Hatte er zumindest versprochen. Um wieder gut zu machen, dass er es beim letzten Mal vergessen hat. Und das Mal davor.
Gut, kann vorkommen. Nachtragend will ich nicht sein, nur Versprechen werde ich ihm so schnell nicht wieder abnehmen. Das verspreche ich mir selbst!



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