nachtfalken.jpg•BELESENsein• Man nehme ein paar unsympathische Charaktere, Verstrickungen nach dem Prinzip „Jeder kennt jeden über sechs Ecken“, gebe einen Löffel Lügengeschichten dazu und rühre einmal kräftig um. Was heraus kommt, nenne man „Nachtfalken“.
Da ist Harry, der Dünne. Seine Welt: Das Fernsehen, schöne Blondinen, die wichtigen Dinge. Seine Lieblingswörter: Gameshows, briefen, pampern. Ernst genommen wird er nicht, höchstens ein bisschen ausgenutzt und gerne mal übersehen. Dabei wäre er verdammt gerne so ein bedeutsamer Typ wie sein Dichteridol Kaminsky, dessen Bücher er in der Stadt verteilt. Da ist Walter, der Kontakte zu den wichtigen Dingen hat und eine schöne Blondine für seine neue Sendung braucht, der auf einer höheren Ebene leben will und Energien folgt. Da ist seine Freundin Raffaela, die sich vom Neureichtum gelangweilt mit der lebenslustigen Lona in die Nacht stürzt. Da sind ein Schönwetterfreund, ein schwieriger Geldgeber und eine neue Liebe. Die Gier nach Erfolg treibt sie an und wirft sie wieder zurück. Geld allein macht ja bekanntlich auch nicht glücklich. Und dank dieser umwerfenden Erkenntnis können sich all die Strapazen in einer Menge Wunden und einem strahlenden Glückslicht auflösen. Sonnenbrillen nicht vergessen, sonst kann man die plötzliche Freude bei Tage kaum ertragen.
Schonungslose Sprache scheint der Autor für das Gewürz im Rezept zu halten. Muss man sich ja fast die Augen mit Seifenwasser ausspülen. Und bitte nicht durcheinander kommen, wenn man wieder zwei, drei Seiten warten muss, bis man weiß, um wem sich die Nachtfaken-Welt gerade dreht. So ist also das wahre Leben – Prosecco, riesige Badewannen („Kannste ‘ne Orgie drin feiern!“), Zigarren, Schlägereien und gemeine Intrigen. Da hab ich ja sogar noch was gelernt.

Dieses Buch soll keinen Platz in meinem Regal wegnehmen. Wenn also jemand diesem Roman mit biegsamen Einband und schön gestalteten Kapitelüberschriften ein neues Zuhause geben möchte, soll er bescheid sagen, ich schicke ihn dann zu. Halsband und Leine exklusive.

„Nachtfalken“
Andreas Kurz
Eichborn
August 2007



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