la-bum.jpg • MUSIKsein • Sportfreunde Stiller – die Band meiner frühen Jugend („So wie einst Real Madrid“ und „Auf der guten Seite“) und Pubertät in Höchstform („Burli“) gibt mir neuen Stoff für die Sturm-und-Drang-Zeit. „La Bum“ heißt das gute Stück und es schreit mittels Luftschutzsirene nach Aufmerksamkeit. Wer sich ihm nun zuwendet, der bekommt auch etwas zurück: Elf Mal Entschlossenheit, elf eingängige Refrains, elf Mal Wortspielereinen und holprige Reime zum Anfreunden. Elf gute Lieder.
Nach dem Startsignal wird der Hörer mit der ersten Wahrheit konfrontiert: „Ich wurde älter und nicht weiser.“ Tatsächlich beträgt das Durchschnittsalter der drei Sportfreunde inzwischen 33 2/3, die Texte klingen trotzdem nicht erwachsen. Nein, das Album liefert keine umwerfenden Erkenntnisse, dafür kann man sich in den Stücken wieder finden.
„995er Tief über Island“ spricht allen aus der Seele, die sich, von Fernweh getrieben, zurück an den Strand wünschen. Hinter dem missglückten Titel „(Tu nur das) was dein Herz dir sagt“ verbirgt sich dann ein Trennungsgedanke, der gleich darauf von einem Loblied auf die Liebe eingeholt wird. „Ohne deine Liebe“ gehört euren Herzenskandidaten vorgesungen (oder wenigstens vorgespielt) und wenn sie dann noch nicht überzeugt sind, kommt „Anders als auf Ansichtskarten“ schnell hinterher. Wer solche Versprechungen macht wie Sänger Peter hier, den kann man einfach nicht mehr fortschicken.
Zwischendurch geht es um die kleinen, bedeutenden Momente und darum, Kinderverse und Angeberlatein in die eigenen Lieder einzubauen. Dann kommt „Sodom“ und damit die beste Ansage des ganzen Albums: „Ich liebe mein Leben, so ist das eben. Und zwar trotzdem! Trotzdem! Und nicht deswegen!“ So stur und energisch, dass man jedes Ausrufezeichen hören kann.
Es wird etwas ruhiger. „Legenden“ folgt, eine Hymne über die persönlichen Helden, die für ihre Willensstärke bewundert werden und es dafür verdient haben, dass dieses Lied in Streichern und einem Chor aufgeht. Pathetisch zwar, aber der schiefe „nananalalala… hey, hey, yeah!“-Gesang wischt jeden aufkommenden Kitsch sofort wieder weg.
Übrig bleibt ein gutes Gefühl. Die Zeilen sind mitunter banal, „her“ auf „sehr“ und „Meer“ zu reimen ist keine große Kunst. Was „La Bum“ so gut macht, ist, dass die Sportfreunde Stiller genau das wissen. Hier will niemand als Genie gefeiert werden, sondern nur der Hörerschaft ein Lächeln auf die Lippen und den Bewegungsdrang in die Beine legen. Und das funktioniert ganz ohne Creme.

Sportfreunde Stiller – Alles Roger!



2 Responses to “Niveau ist keine Creme”  

  1. 1 mm

    Super Album! Mehr muss man dazu nicht sagen. Hören!

  2. Ja, ich freunde mich so langsam mit dem Album an.
    Am besten finde ich bisher Song 11.


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